Bühnenwerke für Kinder und Jugendliche

Unter den Bühnenwerken für Kinder und Jugendliche im Verleih der Alkor-Edition gibt es Originalwerke und Bearbeitungen barocker und klassischer Vorlagen.

Musiktheaterwerke für junges Publikum, die virtuos wie spannend auf die großen Meister der Opernbühne verweisen – auf Händel, Haydn, Mozart, Puccini, Rossini und Wagner – gehören zu den beliebten Titeln von Bärenreiter · Alkor. Sie schaffen prägende erste Theatererlebnisse und eröffnen neue Zugänge zur Musik. Vor allem klein besetzte Werke ermöglichen eine besondere Nähe zwischen Bühne und Publikum. Sie sind flexibel und kompakt produzierbar und damit ein künstlerisch wie praktisch überzeugender Schlüssel, um junges Publikum zu begeistern. In einer neuen Reihe stellt „[t]akte“ ausgewählte Titel vor, die von der Alkor-Edition vertrieben werden. Das Spektrum der zahlreichen musikpädagogischen Veröffentlichungen reicht von Kammermusik, die szenisch oder konzertant mit einfachen Mitteln realisierbar ist, über zeitgenössische Musik bis hin zu Bearbeitungen barocker und klassischer Werke – im Tonfall ebenso witzig und spielerisch wie nachdenklich und ernst. 


Mondwelt und Zaubertrompete

Eberhard Streul, Bearbeiter zahlreicher Opernklassiker, hat sich darauf spezialisiert, Werke des klassischen Opernrepertoires für junges Publikum neu zu erzählen und behutsam in die Gegenwart zu holen. In „Die Welt auf dem Monde“, einer amüsanten Oper nach Haydns „Il mondo della luna“, steht der reiche Kaufmann Sperling im Mittelpunkt, der die Liebe seiner Tochter zum Sternenforscher Mario ablehnt. Erst durch eine vorgetäuschte „Mondwelt“ wird Sperling schließlich überlistet und erlaubt die Verbindung der beiden Liebenden.

Auch bei „Rocke und die Zaubertrompete“ knüpft Streul an bekannte Opernstoffe an. Hier wird die Figur des Kindersolisten aus „La Bohème“ aus dem Original herausgelöst und mit einer eigenen Geschichte versehen. Humorvolle Momente und eine große Mitmachszene prägen das Stück: Das junge Publikum wird von der Trompete animiert, Rocke dabei zu helfen, sich seine Melodie wieder ins Gedächtnis zu rufen.


Abenteuer in der barocken Opernwelt

Einen Ausflug in die barocke Welt der Opera seria stellen die beiden Händel-Bearbeitungen von Eberhard Streul dar. In Spuk im Händelhaus wird die Oper „Alcina“ auf fünfzehn Musiknummern verkürzt und Rezitative durch Dialoge ersetzt. Händels Arien, Duette und Ensembles sind für drei Instrumente bearbeitet. Im Londoner Händel-Haus sucht Andrea verzweifelt ihren Verlobten Chris – denn das Gemälde mit dem Porträt der Zauberin Alcina ist zum Leben erwacht und Chris hat sich in der barocken Bilderwelt verirrt und sich in die Zauberin verliebt. 

Auch „Ritter Rinaldo“ erzählt einen Händel-Klassiker neu: Ritter Rinaldo will die Stadt Jerusalem erobern, doch seine Geliebte wird von Sarazenen entführt. Als Rinaldo versucht, sie zu befreien, wird er durch Zauber gefangen genommen. Schließlich können sie entkommen und stehen vor der entscheidenden Schlacht.


Rossini als Hobbykoch

Über die Leidenschaft zum Kochen hat Rossini bekanntlich das Komponieren von Opern aufgegeben. Diese Doppelbegabung haben Eberhard Streul und Jürgen Weisser amüsant thematisiert: Aschenputtel oder Rossini kocht eine Oper heißt die auch für sehr junge Kinder geeignete Bearbeitung von „La Cenerentola“. Rossini persönlich tritt auf und wirft allerlei Noten und Vorzeichen in einen großen Kochtopf, erklärt gleichzeitig, was man für eine Oper braucht. 

Für seine Orchesterbearbeitung von Rossinis Klavierstück „Un petit train de plaisir“ greift der Komponist Andreas N. Tarkmann ebenfalls auf die Kochleidenschaft des Komponisten zurück. Carsten Bodinus schrieb dazu einen unterhaltsamen Text, der Rossinis Angst vor der Reise mit der Eisenbahn thematisiert. Während die Streicher mit den Holzbläsern das gleichmäßige Rattern der Räder musikalisch nachzeichnen, träumt der Kochkünstler Rossini, dass der Zug auf seiner Weiterfahrt entgleist. 


Oper im Kosmos von Mozart und Wagner

Roberta Vaccas Commedia giocosa „Chi rapì la topina Costanza“ (Wer entführte das Mäuschen Konstanze?) ist eine verspielte Interpretation von Mozarts „Entführung aus dem Serail“. Das italienische Libretto spielt auf humorvolle Weise mit der Übersetzung des Wortes „Entführung“: „Ratto“ bedeutet nämlich sowohl „Raub, Entführung“ als auch „Ratte“.

Einen anderen Zugang wählt der Komponist und Autor Peter Larsen. In „Siegfried oder Wer wird Herr des Ringes“ formt er ein musikalisches Fantasy-Abenteuer. Erzählt wird die Geschichte des wilden Jungen Siegfried, der im tiefen Wald bei einem Zwerg aufwächst und viele spannende Abenteuer erlebt. Wagners Original verschmilzt mit neu komponierten melodramatischen Passagen und gesprochenen Dialogen; konzipiert ist das für Kammerorchester mit elf Instrumenten.

Tessa Singer
(aus [t]akte 1/2026)

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