Max Brockhaus

Der Musikverlag wurde am 1. Mai 1893 von Max Brockhaus (1867–1957) in Leipzig gegründet. Max Brockhaus, der Urenkel des Buchverlegers Friedrich Arnold Brockhaus (1772–1823) war über die Frau seines Großonkels Hermann (1806–1877), Ottilie Wilhelmine Brockhaus (1811–1883), der Schwester Richard Wagners, mit der Wagner-Dynastie verwandt.

Da bereits sein Bruder Rudolf in den Buchverlag eingetreten war, schlug Max Brockhaus die Laufbahn eines Musikverlegers ein. Er verbrachte seine Lehrzeit beim Buch- und Musikalienhändler Ludwig Staackmann sowie im familiären Betrieb F. A. Brockhaus in Leipzig, danach absolvierte er Volontariate in Zürich, Berlin, Brüssel und London. 

Anfang 1893 übernahm Brockhaus den Katalog von Hermann Haessel (Leipzig), Eduard Wedl (Wien) und einen Teil des Kataloges von Joseph Roth (Stuttgart). Mit diesem Grundstock, der u. a. aus Werken von Jakob Ils, Ignaz Brüll, Jacob Dont, Robert Fuchs, Carl Reinecke, Rudolf Bibl und Franz Schubert bestand, gründete er im Mai den „Max Brockhaus Musikverlag“, der zunächst im Hause F. A. Brockhaus in der Querstraße in Leipzig untergebracht wurde. Bis heute wird der Zusatz „Musikverlag“ stets genannt, um Verwechslungen mit dem „großen“ Brockhaus zu vermeiden. Noch im Gründungsjahr machte Brockhaus während der Uraufführung von Hänsel und Gretel in Weimar die Bekanntschaft von Engelbert Humperdinck und konnte 1896 die Märchenoper Königskinder in sein Verlagsprogramm aufnehmen, die ein Jahr später in München uraufgeführt wurde. Damit war ein wichtiger Schritt hin zum Bühnenverlag getan, den Brockhaus in den folgenden Jahren durch gezielte Aufnahme von Musiktheaterwerken weiter ausbaute. 

Die Zusammenarbeit mit Humperdinck sollte eine der intensivsten und fruchtbarsten in der Verlagsgeschichte werden. Im Laufe der Jahre erschienen zahlreiche Werke des Komponisten bei Max Brockhaus (Königskinder, Dornröschen, Heirat wider Willen, Maurische Rhapsodie, Schauspielmusiken zu Shakespeare-Dramen, Lieder). 1906 wurde das Schauspielhaus am Nollendorfplatz in Berlin mit Humperdincks Schauspielmusik zu Shakespeares Der Sturm eröffnet. Um die Jahrhundertwende kamen Werke von Eugen d’Albert (Die Abreise, Seejungfräulein), Ruggiero Leoncavallo (Serenade u. a.) und Alfredo Piatti hinzu. Um diese Zeit entstand das Signet des Verlages, der Gott Pan vor einer Leier, aus der Feder Fritz Schumachers (1869–1947).
1898 begann eine enge Zusammenarbeit mit Hans Pfitzner, durch die die Oper Der arme Heinrich, die Marschner-Bearbeitung Templer und Jüdin, einige sinfonische Werke und eine große Zahl Lieder in den Katalog aufgenommen werden konnten. 1906 übernahm der Verlag auch die ursprünglich bei Feuchtinger verlegten Werke (u. a. Die Rose vom Liebesgarten und die Schauspielmusik zu Ibsens Drama Das Fest auf Solhaug). 

Parallel verlief die Kontaktaufnahme zu dem entfernten Verwandten Siegfried Wagner, den Brockhaus 1898 anlässlich eines Besuchs bei seiner Tante in Bayreuth kennenlernte. In den folgenden Jahren veröffentlichte er mehrere Opern des Komponisten (u. a. Der Bärenhäuter) und gliederte 1930 auch die ursprünglich bei Carl Giessel verlegten Werke in seinen Katalog ein. 1910 erschien auf speziellen Wunsch der Familie Wagner die Jugendsinfonie C-Dur von Richard Wagner bei Max Brockhaus. 

Anfang des Jahrhunderts kamen Opern von Karel Weis (Der polnische Jude), Richard Heuberger (Barfüßele), Anselm Götzl (Zierpuppen), Bodo Sigwart (Die Lieder des Euripides) und Hans Hermann Wetzler (Die baskische Venus) hinzu. 1890 wies der Verlagskatalog dreißig Opern auf. 

Neben der Verlagstätigkeit widmete sich Max Brockhaus ehrenamtlich dem Musikleben und wurde im November 1906 ins Gewandhaus-Kollegium berufen, dessen Vorsitz er von 1920 bis 1932 innehatte. 1931 hatte er entscheidenden Anteil am Abschluss des Gewandhaus-Abkommens mit dem Leipziger Rundfunk.
1940 übernahm die Tochter Elisabeth „Lilli“ Gruner, geb. Brockhaus, den Verlag und führte ihn mit ihrem Mann Friedrich Gruner weiter. Im Dezember 1943, wenige Monate nach der 50-Jahr-Feier des Verlags, wurden der Verlag und das Privathaus im Bombenhagel wie so viele andere Leipziger Verlage komplett zerstört. Nach dem Krieg erhielt der Verlag keine Lizenz in Leipzig, der Wiederaufbau erfolgte daraufhin im badischen Lörrach. Zwar wurde zunächst noch Kontakt zum Prokuristen in Leipzig gehalten, mit seinem Tod 1950 brach die Verbindung in den Osten jedoch ganz ab. 

1976 erfolgte die Geschäftsübernahme durch den Bonner Verleger Joachim von Roebel und der Umzug des Verlags nach Bonn-Bad Godesberg. Seit 2004 führt Sophie von Roebel den Verlag, dessen Sitz 2006 nach Remagen-Rolandswerth verlegt wurde. In den Jahren 2006/07 fand eine grundlegende Revision statt, infolge derer zahlreiche vergriffene Werke neu erschienen, darunter Humperdincks Oper Dornröschen, die nach 50-jährigen „Dornröschenschlaf“ seit 2008 wieder regelmäßig in den Opernhäusern erklingt. 

Cornelia Napp

http://www.maxbrockhaus.de/