Mehr als nur der „Walzerkönig"


Vor über 100 Jahren, am 3. Juni 1899 starb Johann Strauss. Als einer der musikalischen Repräsentanten Österreichs gilt er weltweit, und doch wurde sein großes Werk lange vernachlässigt. Johann Strauss hat wie Wolfgang Amadeus Mozart, der andere große Exponent der Donaurepublik, mehr als 650 Werke komponiert, doch anders als bei dem Wiener Klassiker, dessen Werk eine wissenschaftliche Gesamtausgabe bis in die letzte Note hinein dokumentiert, ist ein Großteil der Werke des „Walzerkönigs" nie in Partiturform erschienen. Die „Neue Johann Strauss Gesamtausgabe" hat 1995 begonnen, das gewaltige Werk wissenschaftlich zu erschließen und 1997 erste Ergebnisse der musikalischen Praxis zugänglich gemacht.

Der „Kaiserwalzer" und „An der schönen blauen Donau": zwei Hits im Drei-Viertel-Takt, die ihre Faszination bis heute nicht verloren haben. Und doch sind sie nur die Spitze eines Eisbergs von bislang fast unbekannten Ausmaßen: 189 Walzer, 198 Polkas, dazu zahlreiche Märsche, Quadrillen, Ouvertüren und andere Orchesterwerke und natürlich die zwanzig Bühnenwerke. Insgesamt 651 Nummern weist das aktuelle Werkverzeichnis von Johann Strauss auf. Und es werden immer mehr, denn immer wieder tauchen vergessene und verschollene Stücke auf. Das Interesse an bislang unbekannten Werken ist in den letzten Jahren gewachsen. Doch nicht selten kam es vor, daß ein Orchester ein bestimmtes Werk aufführen wollte, jedoch daran scheiterte, daß es kein brauchbares Notenmaterial gab. Dies hat sich mit der entstehenden „Neuen Johann Strauss Gesamtausgabe" geändert, die in der „Strauss Edition Wien" erscheint. Generalherausgeber ist Prof. Michael Rot, der sich ganz dem Werk von Johann Strauss verschrieben hat. Die Quellen, die er zur Verfügung hat, stellen eine schwierige Ausgangslage dar: Handschriften gibt es nur von den wenigsten der Strauss-Werke. Für die Erstellung des endgültigen Notentextes ist Rot auf Stichvorlagen, Abschriften, handschriftliche oder gedruckte Instrumentalstimmen angewiesen. Seit der Vorstellung des Projekts, das unter der Patronanz der Wiener Philharmoniker steht, der ersten Adresse in Sachen Strauss, konnten bereits rund 300 Werke den Dirigenten und Orchestern zur Verfügung gestellt werden. „Die Fledermaus", die berühmteste Operette des Wiener Komponisten, sowie "Eine Nacht in Venedig" sind bereits als Urtext erschienen. Wie schon bei den vielen Walzern, Polkas und Quadrillen, wurde durch den authentischen Notentext auch hier das Bild eines Meisters von einer außergewöhnlichen musikalischen Vielfarbigkeit erkennbar.

Johann Strauss: Austria´s Musical Figurehead
The Editor