24.06.2016 11:08

Vertrieb von Casa Musicale Sonzogno durch Bärenreiter · Alkor

Ab dem 1. Juli 2016 ist Bärenreiter · Alkor exklusiv für den Deutschland-Vertrieb der Leihmateriale des renommierten Mailänder Verlages Casa Musicale Sonzogno zuständig. Das 1874 von Edoardo Sonzogno gegründete Unternehmen gelangte bald durch einen Opernwettbewerb zu Weltruhm, aus dem Pietro Mascagni mit seinem Einakter Cavalleria rusticana als Gewinner hervorging. Kernrepertoire des Verlages sind Opern von Komponisten des Verismo und der Giovane Scuola Italiana wie Umberto Giordano (Andrea Chenier, Fedora, La cena delle beffe), Pietro Leoncavallo (Pagliacci) und Francesco Cilea (Adriana Lecouvreur), aber auch Giacomo Puccini (La rondine) und Ermanno Wolf-Ferrari (La vedova scaltra). Darüber hinaus betreut und verlegt Sonzogno Werke zeitgenössischer italienischer Komponisten, von denen u. a. Marco Tutino und Giovanni Sollima internationale Anerkennung gefunden haben. – Der vollständige Katalog des Leihmaterials kann auf Anfrage als PDF zugeschickt werden.

Edoardo Sonzogno, Spross einer milanesischen Familie von Druckern am Ende des 18. Jahrhunderts, verwandelte um 1850 seinen Verlag, den sein Großvater Giovanni Battista 1806 gegründet hatte, in einen Medienkonzern. Er veröffentlichte mit Il Secolo die populärste Zeitung, außerdem Zeitschriften und Bücher aller Arten und Preise, womit er Bildung unter die aufstrebenden Klassen brachte.

1874 gründete Edoardo Sonzogno seine Musikabteilung. Er druckte Noten von berühmten Opern und erwarb die Rechte an Bizets Carmen, wodurch er der Oper in italienischer Übersetzung zum ersten internationalen Erfolg verhalf. Erst später folgte die französische Textfassung. Nach einer Aufführung von Carmen in Nizza schrieb Friedrich Nietzsche 1887 „Carmen im Gran Teatro Italiano: ein großes Ereignis meiner Meinung nach. Während dieser vier Stunden verstand und lernte ich mehr als sonst in vier Wochen. Herrn Sonzogno sei Ehre!“

Um ein eigenes Repertoire aufzubauen und neue Talente zu entdecken, rief Sonzogno eine Reihe von Wettbewerben aus: 1890 war Pietro Mascagni mit Cavalleria Rusticana der Gewinner, was die Stunde Null des Verismo darstellte. Ruggero Leoncavallo (Pagliacci), Umberto Giordano (Andrea Chénier, Fedora) and Francesco Cilea (L’Arlesiana, Adriana Lecouvreur) folgten. In diesem Jahr gründete der Verleger in Mailand auch das Teatro Lirico, wo denkwürdige Spielzeiten stattfanden und Sänger wie Enrico Caruso auftraten, der später zur Legende wurde.

1909 übergab Edoardo Sonzogono die Leitung seines Hauses seinen Neffen Lorenzo und Riccardo Sonzogno, die den Verlagskatalog mit Werken wie Fedra von Ildebrando Pizzetti auf ein Libretto von Gabriele D'Annunzio oder La rondine und Inno a Roma von Giacomo Puccini erweiterten. Nach dem Tod von Riccardo (1915) und Lorenzo (1920) wurden der Buchverlag, die Zeitung und das Teatro Lirico getrennt. Die Casa Musicale Sonzogno durchlief eine krisenhafte Phase, ehe Pietro Ostali sen., selbst Musiker und Komponist, sie 1923 übernahm und das Haus Sonzogno wieder zu altem Ruhm verhalf, indem er vergessene Komponisten wie Cilea wieder ins Bewusstsein rückte und neue Werke von Umberto Giordano und Ermanno Wolf-Ferrari veröffentlichte.

Seine Nachfolger (sein Sohn Enzo Ostali von 1945 bis 1984, seine Schwiegertochter Nandi Ostali ab 1971 und sein Enkel Piero Ostali jun. seit 1989) erweiterten das Repertoire mit Kompositionen von Luciano Chailly, Jan Meyerowitz, Flavio Testi, Francesco d'Avalos, Azio Corghi, Franco Battiato, Marco Tutino, Hans Gefors, Giovanni Sollima, Carlo Boccadoro, Marco Betta und arbeiteten mit Robert Wilson, Peter Greenaway, Patti Smith, Jean-Claude Carrière, Carolyn Carlson, John Turturro, Dino Buzzati, Andrea Camilleri, Alessandro Baricco und Marco Tullio Giordana zusammen.