19.12.2017 09:54

Bewegliche Konzepte. Miroslav Srnkas neues Streichquartett

Srnka hinterfragt in diesem Werk die traditionellen Rollen des Stimmengefüges der Musiker. Er nennt es future family, ein Hinweis auf die Konzeption: „Sind Instrumente im Streichquartett nur Stimmen und die Musiker nur Rollen? Können die Musiker zu Stimmen werden und die Instrumente zu Rollen?“ Der Uraufführung am 15. Januar 2018 folgen Erstaufführungen am 24. Januar in Brüssel und am 25. Januar beim Streichquartettfest Heidelberg.

Miroslav Srnka interessiert die Konvention der Spieltechniken im Streichquartett und möchte neue Archetypen dafür finden. Es geht um das Musizieren als Spiel und die Wahrnehmung von Zeit.

Das Komponieren für Streichinstrumente, so sagt Miroslav Srnka, bildet in seinem Schaffen eine Kontinuität. Die Geige ist das erste Instrument gewesen, das er als Kind erlernte. Musik für Streicher ist für ihn ein stetiges Experimentierfeld, in dem er komplexe Strukturen erforscht. So geht es etwa in seinem vierten Streichquartett Engrams mit langen, durchgängig fließenden Kurven um den überraschenden Effekt, dass dem Gedächtnis des Zuhörers klar definierte Objekte abhandenkommen. Dadurch werden unspektakuläre Momente plötzlich unerwartet auffällig, als ob kleine, in die Linientextur platzierte Sprünge das Gedächtnis aktivierten, als ob Gedächtnisspuren – „Engramme” – als biophysikalische oder biochemische Veränderungen im Hirn abgelegt würden. Oder Eighteen Agents for nineteen Strings, das verästelte Linienstrukturen geradezu wie einen Krimi vom Hörer verfolgen lässt.

Sein neues Streichquartett schreibt Miroslav Srnka wieder für das Quatuor Diotima, das es bei der „Biennale de Quatuors à cordes“ in Paris zur Uraufführung bringt, weitere Erstaufführungen folgen in Brüssel und beim Streichquartettfest Heidelberg. Srnka hinterfragt in diesem Werk die traditionellen Rollen des Stimmengefüges der Musiker. „Sind Instrumente im Streichquartett nur Stimmen und die Musiker nur Rollen? Können die Musiker zu Stimmen werden und die Instrumente zu Rollen? Ist das Streichquartett an sich ein Biotop, das schon in jedes neue Stück vordefinierte Erwartungen und Stereotype mitbringt?“ Ihn interessiert die Konvention der Spieltechniken im Streichquartett, ob es möglich ist, neue Archetypen für diese Spielweisen zu finden. Es geht um das Musizieren als Spiel, und in Fortsetzung seiner mehrfach thematisierten Auseinandersetzung mit der Wahrnehmung von Zeit um diese neuen Strukturen oder Patterns in der heutigen digitalen Ära.